Das BEESPOKE-Saatgut

In Zusammenarbeit mit der Firma Meiners-Saaten [1], die mit vielen Landwirten der Region arbeiten, wurden fünf Saatgutmischungen erstellt. Sie sind unterschiedlich divers und mit Pflanzen ausgestattet, die verschiedene Eigenschaften mit in die Mischung bringen.

Die erste Mischung (Control) besteht wie das meiste Grünlandsaatgut der Region aus zwei Arten: Dem Deutschen Weidelgras (Lolium perenne) und dem Weißklee (Trifolium repens). Sie bilden schnell eine geschlossene Grasnarbe, sind wüchsig, schnittverträglich und haben gute Futterwerte. Damit haben sie sich schon seit langem in der Grünlandwirtschaft verdient gemacht. Obwohl Wiesen aus diesen Arten viel Futter produzieren, gibt es dort für Insekten nur wenig zu fressen.

Die zweite Mischung (Clover Diversity) bleibt bei denselben beiden Arten, aber die Diversität des Klees wird erhöht. Durch unterschiedliche Weißkleesorten mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten wird das Pollen- und Nektarangebot dieser Art über einen längeren Zeitraum gestreckt.

In der dritten Mischung wurde eine krautige Art hinzugefügt: Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata). Diese Pflanze hat flache, leicht zugängliche Blüten. Währed Weißklee vor allem von Bienenarten wie Hummeln mit ihren langen Zungen genutzt wird, stehen diese auch für Arten mit kürzeren Mundwerkzeugen offen. So kommen auch kleine Bienenarten und Schwebfliegen an Nahrung. Dazu kommt, dass die verwendete Spitzwegerichsorte, im Vergleich zu vielen anderen krautigen Arten, gut mit den häufigen Schnitten im intensiv genutzten Grünland klarkommt. Auch im Futter bringt er ausgezeichnete Eigenschaften mit sich. Seine Inhaltsstoffe wirken sich positiv auf die Verdauung von Kühen aus und reduzieren den Stickstoffausstoß der Tiere. Das kann Umweltprobleme durch die Überdüngung der Landschaft abmildern [2].

Die vierte Mischung ist um sechs Leguminosen, auch Schmetterlingsblütler (Fabaceae) genannt, ergänzt. Pflanzen dieser Familie gehen spezielle Symbiosen mit Bakterien ein, die in kleinen Verdickungen an ihren Wurzeln leben, ein. Daher haben sie den Namen Knöllchenbakterien. Die Bakterien sind dazu in der Lage, Stickstoff aus der Luft zu binden und es Pflanzenverfügbar zu machen. Dadurch steigt die Versorgung mit Stickstoff in der Fläche. Der Bedarf an Düngemitteln kann so gesenkt werden, was Kosten spart. Die große Bandbreite von Leguminosen in der Mischung ist darin begründet, dass sich erst im Feldversuch zeigen wird, welche Arten die gewünschten Eigenschaften mitbringen. Braucht eine Art länger, um zur Blüte zu kommen, als die Mahdhäufigkeit es zulässt, so erweitert sie das Angebot für Insekten nicht. Eventuell kommen auch Arten mit den Schnitten selbst nicht zurecht und fallen aus. Auch die Verträglichkeit bei unterschiedlichen Witterungslagen spielt eine Rolle. Ökonomisch kann sich ein Gemisch aus Leguminosen und Gras definitiv lohnen. Im Vergleich zu Grasmonokulturen erziehlen die Gemische meist höhere Biomassewerte und unterdrücken Unkräuter effizienter [3, 4, 5]. Leguminosengemische als Futter können die Tiergesundheit und die Milchproduktion verbessern, können jedoch auch die Stickstoffausscheidung von Kühen erhöhen [6].

In der diversesten der Mischungen sind zusätzlich zu den Leguminosen und dem Spitzwegerich noch drei weitere Grasarten enthalten. Die gewählten Arten sind Trockenheitsverträglicher als das Deutsche Weidelgras, können also bei ungünstigen Wetterlagen besser die Produktivität erhalten. Außerdem steigt das Potential zur Unkrautunterdrückung.

  • [1] Infos zu Meiners Saaten finden Sie unter: https://www.meiners-saaten.de/
  • [2] Navarrete et al. (2016). Bioactive compounds, aucubin and acteoside, in plantain (Plantago lanceolata L.) and their effect on in vitro rumen fermentation. Animal Feed Science and Technology Vol. 222, pp. 158-167.
  • [3] Finn, J. A. et al. (2013). Ecosystem function enhanced by combining four functional types of plant species in intensively managed grassland mixtures: a 3-year continental-scale field experiment. Journal of Applied Ecology 50 (2), pp. 365-375.
  • [4] Connolly, J. et al. (2018). Weed suppression greatly increased by plant diversity in intensively managed grasslands: A continental-scale experiment.“Journal of Applied Ecology 55 (2), pp. 852-862.
  • [5] Helgadóttir, Á. et al. (2018). Grass–legume mixtures sustain strong yield advantage over monocultures under cool maritime growing conditions over a period of 5 years. Annals of Botany 122 (2), pp. 337-348.
  • [6] Schaub, S. (2020). Economic benefits from plant species diversity in intensively managed grasslands. Ecological Economics Vol. 168.

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