Artenvielfalt im Grünland

Nordwestdeutschland ist weiträumig von Grünland geprägt. Die Region ist zentral für die Produktion von Tierprodukten, besonders durch Milchvieh. Doch das Bild von Grünland hat sich seit den 1950er Jahren massiv verändert. Während früher Grünlandstandorte meist solche waren, die aufgrund von Nährstoffarmut und zu niedrigen oder zu hohen Wasserständen nicht für den Ackerbau geeignet waren, sind die Böden heute durch Düngung und Entwässerung ausgezeichnete Orte für einen intensiven Futterbau. Diese Entwicklung ermöglichte gemeinsam mit der Züchtung von leistungsstarken Rinderrassen die effiziente und kostengünstige Produktion von Tierprodukten.

Die Veränderungen im Grünland waren jedoch mit einem Trade-Off verbunden. Während die Erntemenge anstieg, ging die Biodiversität von Pflanzen zurück – und mit ihnen die von ihnen direkt und indirekt abhängigen Arthropoden. Intensiv bewirtschaftete Schnittwiesen werden vier- bis sechsmal pro Jahr gemäht. Die Pflanzengruppe, die am besten mit häufigen Schnitten umgehen kann, ist die der Gräser. Während in Magerrasen und Feuchtwiesen der Anteil von Kräutern sehr hoch ist, verschiebt sich das Verhältnis mit zunehmender Schnittzahl in Richtung Gräser. Dasselbe passiert bei regelmäßiger Düngung. Es gibt einige hochproduktive Grasarten, wie das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne), dass bei guter Versorgung schnell in die Höhe wächst und die Narbe schließt. Der Konkurrenzdruck ist zu groß für die meisten Kräuter und auch für viele andere Grasarten. Sie fallen aus. So entstehen blütenarme, aber sehr produktive Futterproduktionsstandorte, in denen meist nur einige Exemplare von Weißklee und Löwenzahn für Abwechslung sorgen.

Der Verlust von Biodiversität ist ein Problem für die Landwirtschaft von hohem Ausmaß. In den letzten Jahren sind das Insekten- und das Bienensterben in den öffentlichen Diskurs gerückt. Der Rückgang der Wildbienen und anderer Bestäuber stellt ein konkretes Risiko für eine Reihe von bestäubungsabhängigen Feldfrüchten dar. Bei mangelnder Bestäubung werden weniger, kleinere und qualitativ minderwertigere Früchte produziert. Landwirt*innen haben es also mit messbaren Verlusten zu tun. Der wichtigste Treiber des Rückgangs von Insektendiversität ist der Rückgang ihrer Lebensräume. Der Erhalt von vorhandenen Habitaten und die Aufwertung von anderen Flächen sind die einzigen Möglichkeiten, dem Verlust von Lebensräumen entgegenzuwirken. Die Rückkehr von mehr Artenvielfalt ins Grünland ist ein vielversprechender Weg für Niedersachsen.

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